Stadtwerke investieren in Glasfaser. Das ist keine Neuigkeit mehr. Aber die Frage, die viele noch nicht ausreichend beantwortet haben, lautet: Warum eigentlich?
Die schnelle Antwort ist: Weil Fördermittel fließen, weil der politische Druck da ist, weil alle anderen es auch tun. Das stimmt. Aber es greift zu kurz.
Die strukturelle Chance
Die BREKO-Marktanalyse 2025 zeigt es deutlich: Stadtwerke sind beim Glasfaserausbau in Deutschland nicht mehr nur Begleitung – sie sind Motor. 70 % Versorgungsgrad durch eigenwirtschaftlichen Ausbau, 4,9 Milliarden Euro Investitionen allein im Jahr 2024. Stadtwerke investieren konsequent für eine breite und flächendeckende Versorgung, statt nur die Rosinen herauszupicken.
Bis 2030 werden voraussichtlich 92 % Ausbauquote erreicht, die Anschlussquote steigt auf 64 %. Noch ist Halbzeit – aber die Richtung ist klar.
Was das für ein Stadtwerk bedeutet: Wer jetzt aufbaut und dabei die operative Stärke mitentwickelt, sichert sich ein Ertragsfeld, das unabhängig von Energiepreisschwankungen und importabhängigen Märkten ist. TK ist ein eigenständiges, steuerbares Geschäft. Mit echter Daseinsvorsorge-Relevanz.
Warum das dennoch oft schiefgeht
Das Problem ist selten der Wille, sondern die Umsetzung. Glasfaserausbau ist technisch komplex – aber das bekommen die meisten Stadtwerke gut in den Griff. Was schwieriger ist: das Telekommunikationsgeschäft dann auch wirtschaftlich tragfähig zu machen.
Das gelingt nur, wenn alle Teile zusammenpassen: Wer sind die Zielkunden? Wie werden sie angesprochen? Was passiert nach dem Anschluss – beim Service, beim Betrieb, bei der Kundenbindung? Wie laufen die internen Prozesse? Wer verantwortet was?
Genau hier liegt die eigentliche Arbeit. Nicht im Tiefbau. Sondern in der Organisation, den Prozessen und der Vermarktung.
Was das für Stadtwerke mit TK-Sparte bedeutet
Jetzt ist der Moment, die eigenen Stärken konsequent auszubauen: Glasfaser bis in jede Wohnung, Netzebene 4 gezielt erschließen, durch Kooperationen gemeinsam mehr erreichen. Moderne Prozesse, effiziente Vermarktungswege und maßgeschneiderte Anschlussmodelle zählen dabei umso mehr.
Und für Stadtwerke, die erst einsteigen: Es war selten so attraktiv wie heute. Bis 2030 können nochmal fast 18 Millionen Anschlüsse entstehen. Wer jetzt startet, profitiert von den Erfahrungen anderer, sichert sich früh Marktanteile und kann auf einen etablierten Werkzeugkasten an Strategien und Konzepten zugreifen.
Stadtwerke sind längst mehr als Teil der Lösung – sie sind die Lösung für eine flächendeckende Digitalisierung in Deutschland.



