Bei Glasfaser ist nicht mehr die Frage, ob sie kommt. Die Frage ist: Wie bringt man Menschen dazu sie zu nutzen? Wir waren beim BREKO Glasfaserforum 2026 in Stuttgart und haben einiges mitgenommen.
Die Lage ist besser als die Stimmung
Baden-Württemberg hat sich in den letzten Jahren beim Glasfaser-Ausbau deutlich bewegt. 3.800 Förderprojekte landesweit, 20% der gesamten Bundesförderung gehen nach Baden-Württemberg. Die Infrastruktur nimmt Gestalt an.
Aber: Die Stimmung ist skeptischer als je zuvor. Das ist neu. Vor einigen Jahren war es noch andersherum – die Stimmung war besser als die Lage.
Warum? Weil klar ist: Ausbau allein reicht nicht mehr.
Das eigentliche Problem heißt Take-up-Rate
Überall auf der Veranstaltung kam derselbe Punkt auf: Ohne Kundenanschlüsse kein Geld. Ohne Geld kein Ausbau.
Investoren fahren ihre Ausbaupläne zurück. Betreiber haben bestehende Netze, aber Liquiditätsengpässe. Und Kommunen frustrieren sich über Unternehmen, die erst den Ausbau ankündigen, dann aber doch nicht ausbauen und damit „verbrannte Erde" für alle Nachfolgenden hinterlassen.
Vermarktung funktioniert nicht wie sie soll
Stefan Krebs vom Ministerium vermittelte deutlich: Vermarktung funktioniert nicht wie sie soll. Menschen von einem Glasfaser-Anschluss zu überzeugen, dessen Notwendigkeit erst in ein paar Jahren entsteht – das ist nicht einfach.
Das ist auch nicht nur ein Problem der Betreiber. Es ist ein Problem der gesamten Branche.
Nicolas Prinz von Netcom BW sprach einen wichtigen Punkt an: Open Access ist richtig – mehr Anbieter auf einem Netz bedeuten für Kunden mehr Wahlfreiheit und bessere Preise. Das ist gut so.
Aber es hat eine Kehrseite, die viele Netzbetreiber unterschätzen: Wenn mehrere Anbieter auf einem Netz konkurrieren, wird der Preis- und Leistungswettbewerb intensiv. Wer dann nicht konkurrenzfähig aufgestellt ist – bei Produktqualität, Service, Vermarktung, Abrechnung – wird marginalisiert.
Das heißt: Jetzt, während die Netze gerade entstehen und der Konkurrenzkampf noch nicht in vollem Gange ist, müssen Stadtwerke ihre eigene Stärke aufbauen. Wer heute an Prozessen, Vermarktung und Service spart, zahlt es später aus, wenn die echte Konkurrenz kommt.
Was wirklich hilft: Kommunikation
Florian Arens von econtech brachte einen guten Vergleich: Das Ulmer Münster brauchte 500 Jahre inklusive 300 Jahre Baustopp um zu entstehen. Aber heute ist jeder in Baden-Württemberg stolz darauf und froh, dass es existiert.
So ist das auch mit Glasfaser. Heute kostet sie viel, dauert lange – aber in ein paar Jahren ist sie selbstverständlich. Auch wenn wir alles daran setzen sollten, zügiger voran zu kommne, als es bei dem Ulmer Münster der Fall war.
Das politische Podium war sich einig: Es braucht einen Schulterschluss zwischen Kommunen und Netzbetreibern. Und vor allem: Klare Kommunikation darüber, wo wir stehen, wo wir hingehen, welche Herausforderungen es gibt.
Beim Kupfer-Glas-Upgrade würde ein klarer Fahrplan mit Abschaltdatum enormen in der Kommunikation helfen.
Was wir mitnehmen
Der BREKO hat deutlich gemacht: Die Branche weiß, dass es nicht nur um Infrastruktur geht. Vermarktung, Kommunikation, regulatorische Klarheit – das sind die nächsten Hebel.
Wer jetzt in diese Kompetenz investiert, wird profitieren. Wer hofft, dass der Ausbau allein reicht, wird sich wundern.
Und ja: Der Optimismus ist noch da. Aber nur für die, die bereit sind, die Sache wirklich anzugehen.
Hinweis: Kostenlose Schulungen zum Glasfaser-Ausbau bietet das Gigabitbüro des Bundes. Mehr Infos: https://www.schnell-ins-netz.de/