Über Resilienz redet die Branche viel. Beim nextbloom in Hof wurde sie dreimal konkret. Das Treffen der jungen Branchengeneration findet im Rahmen von #nextgen statt, der Initiative des BREKO, und hatte in diesem Jahr ein Programm, das auf den ersten Blick auseinanderfiel. Netzbetrieb, IT-Sicherheit und persönliche Belastbarkeit. Auf den zweiten Blick war es dreimal dasselbe Thema. Und dreimal eines, das uns aus dem Glasfaseralltag kommunaler Versorger vertraut vorkommt.
Drei Vorträge, drei Perspektiven
Das purtel-Team eröffnete mit „Zwischen Veränderungen und 99,9 % Verfügbarkeit. Was Resilienz im purtel.com-Alltag bedeutet". Also die Frage, wie ein Betrieb stabil bleibt, während sich ständig etwas ändert.▪ Coachin Anja Keßler nahm die persönliche Resilienz in den Blick. Was Menschen tragfähig hält, wenn der Druck nicht nachlässt.Rüdiger Strunz von EWE Tel sprach über Cyber-Resilienz. Nicht als Frage, ob etwas passiert, sondern wie handlungsfähig ein Unternehmen bleibt, wenn es passiert.
Der rote Faden über alle drei Vorträge: Resilienz ist nichts, was man einmal einrichtet. Weder im Netz, noch im Unternehmen, noch bei sich selbst.
Was das für die kommunale Telekommunikation bedeutet
Auf Stadtwerke gemünzt war in Hof keiner der Vorträge. Der Transfer ist unserer, und er drängt sich auf. Denn der rote Faden klingt zunächst wie eine Konferenzweisheit, hat in der kommunalen Telekommunikation aber einen sehr praktischen Kern.
Ein Glasfasernetz ist nach dem Ausbau nicht fertig, sondern geht in den Betrieb über. Und Betrieb heißt: Störungen, Wechselprozesse, Vorleistungspartner, Systeme, die miteinander sprechen müssen. Die Verfügbarkeit, die im Datenblatt steht, entsteht nicht durch die Technik allein. Sie entsteht durch die Abläufe drum herum. Wer eine Störung schnell erkennt, sie richtig einordnet und den Kunden aktiv informiert, hat am Ende die stabilere Wahrnehmung im Markt. Auch dann, wenn technisch genau dasselbe passiert ist wie beim Wettbewerber. Und das schlägt direkt auf die Vermarktung durch. Wer im Ort als der Anbieter gilt, bei dem Glasfaser einfach läuft, muss im nächsten Ausbaugebiet deutlich weniger überzeugen.
Bei der IT-Sicherheit ist die Lage ähnlich. Telekommunikationsnetze gehören zur kritischen Infrastruktur, die regulatorischen Anforderungen steigen, und die Frage im Ernstfall lautet selten „hätten wir das verhindern können", sondern „wer entscheidet jetzt was, in welcher Reihenfolge". Das ist keine reine IT-Frage. Das ist eine Frage von Zuständigkeiten, Erreichbarkeiten und geübten Abläufen.
Und dann ist da der Punkt, der auf keiner Roadmap steht: die Menschen. Telekommunikationsbereiche in Stadtwerken sind meistens klein. Oft hängt ein ganzes Themengebiet an einer einzigen Person, die es aufgebaut hat und deshalb im Kopf hat. Solange diese Person da ist, läuft es. Genau das macht die Konstruktion so unauffällig und so fragil zugleich.
Resilienz entsteht im Alltag, nicht im Krisenfall
Die unangenehme Erkenntnis aus allen drei Vorträgen: Belastbarkeit lässt sich nicht kurzfristig herstellen. Sie ist immer das Ergebnis von Entscheidungen, die vorher getroffen wurden. Übertragen auf einen Telekommunikationsbetrieb sind das selten spektakuläre Projekte, sondern eher die unauffälligen Dinge.
- Prozesse, die aufgeschrieben sind und nicht nur eingespielt.
- Vertretungsregeln, die im Alltag wirklich gelebt werden und nicht erst im Urlaub auffallen.
- Klare Zuständigkeiten, damit im Störungsfall niemand erst suchen muss, wer entscheidet.
- Eine Kundenkommunikation, die auch dann funktioniert, wenn die Nachricht unangenehm ist.
Das Muster kennen wir aus fast jedem Haus, mit dem wir arbeiten. Die Abläufe funktionieren, weil die Beteiligten sie kennen, nicht weil sie robust aufgesetzt sind. Der Unterschied fällt im Normalbetrieb nicht auf. Er fällt genau dann auf, wenn jemand ausfällt, ein Partner den Prozess ändert oder mehrere Dinge gleichzeitig passieren.
Wer da ansetzen will, braucht keinen Krisenstab, sondern einen ehrlichen Blick auf das eigene Haus. Wo hängt etwas an einer Person? Welcher Ablauf existiert nur im Kopf? Und was passiert eigentlich, wenn der Vorleistungspartner morgen anders arbeitet als heute? Genau diese Fragen stellen wir mit dem klarmachen TK-Navi, wenn wir Strategie, Organisation, Infrastruktur, Betrieb und Vermarktung strukturiert nebeneinanderlegen. Eng verwandt damit ist die Frage, wie viel Wertschöpfung ein Stadtwerk überhaupt selbst abbilden sollte, die wir im Beitrag zur Wertschöpfungstiefe sortiert haben.
Der Teil, der nicht auf der Agenda stand
Nach dem offiziellen Programm hatte die Runde die Wahl zwischen Brauereiführung und botanischem Garten. Am Abend kamen alle wieder zusammen, im Biergarten, bei gutem Essen und vielen Gesprächen. Ein Highlight war die Fotobox, an der das eine oder andere Bild entstanden ist.
Damit schließt sich der Kreis zum Motto des Tages. In einer Branche, in der fast jedes Thema irgendwann über eine Schnittstelle zu einem anderen Haus läuft, sind diese Abende kein Rahmenprogramm. Wer weiß, wen er anrufen kann, löst manches Problem, bevor es eines wird.
Ein großes Dankeschön an purtel für das Sponsoring und für die viele Organisation dahinter. Und an alle, die dabei waren: Es war schön, so viele bekannte Gesichter wiederzusehen.
Im September geht es weiter. Beim BREKO@work am 16. und 17. September in Bonn sind wir wieder dabei.